Pflegewissenschaft

Wissenschaftliches Arbeiten

Publiziert von Dr. Jürgen Knoppik

Wissenschaftliches Arbeiten – was ist damit eigentlich gemeint? Wie lässt sich Wissenschaftlichkeit definieren? Was genau ist wissenschaftlich? Dies ist letztlich eine wissenschaftstheoretische Frage, die keineswegs trivial, aber ebenso wenig eindeutig zu beantworten ist. Das wird besonders deutlich, wenn man sich allein die großen Unterschiede der verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen anschaut: Während die einen Wissenschaften (z.B. die Wirtschafts- und Naturwissenschaften) immer noch nach so etwas wie Generalisierbarkeit im Sinne von Gesetzmäßigkeit streben oder zu streben meinen, um solide Prognosen zu formulieren, gibt es andere Wissenschaften (z.B. die historischen Wissenschaften), die weder eine Generalisierbarkeit noch Prognosen zulassen.

Noch komplizierter wird die Frage nach der “Wissenschaftlichkeit”, wenn man den empirischen die nicht-empirischen Wissenschaften (z.B. Philosophie, Mathematik, Logik, Theologie), den generalisierenden die spezifischen Wissenschaften und den Naturwissenschaften die Geisteswissenschaften gegenüberstellt. Historisch betrachtet ging damit ein Jahrhundert währender, zum Teil noch bis heute anhaltender Streit um die Vorrangstellung und Deutungshoheit der Wissenschaften und ihrer Methoden einher. Mit Galileis (1564 – 1641) Diktum: „Alles messen, was messbar ist, und alles messbar machen, was nicht zu messen ist” wurde alles Nicht-Ouantifizierbare als unwissenschaftlich verdächtigt. Im Gegenzug hatte Giovanni Battista Vico (1668 – 1744), Professor für Rhetorik in Neapel, der Geschichtswissenschaft den Vorrang vor der Naturwissenschaft eingeräumt, weil für die Menschen nur das als wahr erkennbar sei, was sie selbst gestaltet haben – verum quia factum. Diese scheinbare Dichotomie zwischen Natur- und Geisteswissenschaft beschrieb Charles Percy Snow (1905 – 1980), Physiker, Romancier und hoher britischer Staatsbeamter, in seinem am 6. Oktober 1956 publizierten Aufsatz mit dem Titel “The Two Cultures”. Darin stellte er die Naturwissenschaften als Gewinner und die Geisteswissenschaften als Verlierer dar. Während die Naturwissenschaften “Science” seien, weil sie messen und wiegen, seien die Geisteswissenschaftenl ediglich “Literatur”, d.h. Bildung und Erinnerung. Erst der späte Karl Popper (1902 – 1994) wollte diese Gegensätzlichkeit, die er in seinen früheren Schriften selbst ausgearbeitet und immer wieder postuliert hatte, nicht mehr gelten lassen: “Es ist lange Mode gewesen und nachgerade langweilig geworden, auf dem Unterschied zwischen Geistes- und Naturwissenschaften herumzureiten” (K. Popper: Objektive Erkenntnis: Ein evolutionärer Entwurf, Hamburg, 1973. S. 206.).

Selbst bei aller Verschiedenheit scheinen doch alle Wissenschaften auch Gemeinsamkeiten zu haben. Merkmale oder Prinzipien, nach denen sie gleichermaßen vorgehen und die ihre grundlegende “Wissenschaftlichkeit” charakterisieren:

(1) So ist zunächst einmal festzuhalten, dass das Ziel aller Wissenschaften darin besteht, neues Wissen, neue Erkenntnisse zu generieren. Der Innovationsprozess ist ein erstes und wesentliches Merkmal von “Wissenschaftlichkeit”. Dies wird metaphorisch dargestellt auf der Titelseite des 1620 publizierten Werkes “Instauratio magna” (Große Erneuerung) von Francis Bacon (1561 — 1626), auf dem ein Schiff zu sehen ist, das gerade die beiden Säulen des Herkules hinter sich lässt, die beiden Säulen, die die Grenze zwischen der alten. bekannten und der neuen, unbekannten Welt symbolisieren. Darunter ist die Aufschrift zu lesen: “Multi pertransibunt & augebitur scientia” – Viele werden hinausfahren und die Wissenschaft wird wachsen.

(2) Zweitens ist Wissenschaft nicht nur auf Fortschritt im Sinne von Innovation, sondern primär – als das grundlegende Ziel aller Wissenschaft – auf das Gemeinwohl ausgerichtet. Oder wie es Francis Bacon in der Vorrede seiner “Instauratio magna” formulierte: “zur Wohltat und zum Nutzen fürs Leben”. Über Francis Bacon und seine Zeit hinaus sollte das Nützlichkeitskriterium sowohl als praktischer wie auch als theoretischer Nutzen verstanden werden.

(3) An dritter Stelle sei hier die intersubjektiv nachvollziehbare bzw. transparente Vorgehensweise genannt. Man macht sein Vorgehen, seine Methoden, Formulierungen und Begründungen, seine eigenen wie auch die Forschungsergebnisse Anderer, auf die man rekurriert, für jeden erkenn-‚ überprüf- und nachvollziehbar, damit die Ergebnisse, aber auch mögliche Fehler und Irrtümer eruiert und korrigiert werden können. Nur so wird (wissenschaftliche) Innovation, die als ein Prozess der scientific community verstanden wird, überhaupt möglich.

(4) Und schließlich viertens verfährt alle wissenschaftliche Arbeit der Form nach stringent-systematisch, nach vorgegebenen Regeln und Standards. So ist beispielsweise für das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit die Beherrschung formaler Standards wie Zitation bzw. Referenzierung, Quellenverzeichnis, korrekte Gliederung und dergleichen, für alle Wissenschaften gleichermaßen elementar.

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