Geschichte der Pflegeausbildung

Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege im Jahre 2003

Es brauchte weitere 18 Jahre bis das Krankenpflegegesetz vom 16. Juli 2003, das zum 01.01.2004 in Kraft trat, das Gesetz von 1985 ablösen sollte. Nachfolgend werden die wesentlichen Neuerungen der Pflegeausbildung aufgeführt:

  • Die Berufsbezeichnung wurde geändert auf Gesundheits- und KrankenpflegerIn, Gesundheits- und KinderkrankenpflegerIn. Damit wurde die bis dato ausschließlich den weiblichen Pflegekräften staatlicherseits auferlegte konfessionell geprägte Berufsbezeichnung „Schwester“ – wenn auch nicht faktisch, so doch formal – endlich und längst überfällig zum Wurmfortsatz der Pflegegeschichte.
  • Der Aspekt der Gesundheitspflege eröffnete für die Pflege wie für die Ausbildung der Pflege neue Handlungsfelder, die im Ausbildungsziel verbindlich festgeschrieben wurden.
  • Die Ausbildung in der Praxis wurde von 3000 auf 2500 Stunden verringert, während die theoretische Ausbildung von 1600 auf nun 2100 Stunden erhöht wurde.
  • Neben Einsätzen in der stationären Akutversorgung sieht die praktische Pflegeausbildung verbindliche Einsätze in Einrichtungen der ambulanten Versorgung von mindestens 500 Stunden vor.
  • Die Möglichkeit einer integrativen Ausbildung von Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege war mit entsprechenden Differenzierungsphasen möglich.
  • Parallel zu der von der KMK festgelegten Kompetenzentwicklung als Ziel der dualen Berufsausbildung wurde nun auch als Ausbildungsziel der Pflegeberufe die Förderung der fachlichen, personalen, sozialen und methodischen Kompetenzen festgelegt.
  • Dies sollte erfolgen „entsprechend dem allgemein anerkannten Stand pflegewissenschaftlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse“ (§ 3). So wurde festgelegt, dass die künftige Leitung einer Schule eine abgeschlossene Hochschulausbildung sowie die Lehrer „im Verhältnis zur Zahl der Ausbildungsplätze“ ebenfalls eine abgeschlossene Hochschulausbildung nachweisen müssen. Anmerkung: Was eigentlich muss den Gesetzgebern sowie den die Politik beratenden Pflegeexperten und -expertinnen damals ins Gehirn geschossen sein, die pflegeberufliche Ausbildung zu „verwissenschaftlichen“, ohne auch nur im Entferntesten die Voraussetzungen dafür geschaffen zu haben bzw. geschaffen haben zu wollen: Denn erstens war die Ausbildung gar nicht als eine Hochschulausbildung konzipiert; sie sollte weiterhin an den Pflegeschulen als eine berufliche Ausbildung stattfinden. Zweitens hatten die an den Pflegeschulen bis dato tätigen Lehrer selbst keine abgeschlossene Hochschulausbildung; sie waren, wenn überhaupt, Lehrer für Pflegeberufe. Und schließlich drittens war für die mit dem Gesetz für die praktische Ausbildung neu eingeführten Praxisanleiter, die von nun an für die praktische Ausbildung zuständig sein sollten, weder ein pädagogisches noch ein wissenschaftliches Studium angedacht (und das bis heute nicht). Wie aber sollen wissenschaftliche Erkenntnisse „vermittelt“ werden, ohne selbst im Rahmen eines Hochschulstudiums zu lernen bzw. gelernt zu haben, wissenschaftliche Studien zu lesen, zu verstehen, zu deuten, kritisch zu hinterfragen und eigenständig zu überprüfen? Eine Qualitätssicherung der Pflegeausbildung konnte somit vom Ansatz her gar nicht mehr gegeben sein. Und die Mündigkeit der Pflege und Pflegenden war wieder einmal in Frage gestellt.
  • Von nun an wurden für die klinische Ausbildung PraxisanleiterInnen bestimmt, die neben einer abgeschlossenen Pflegeausbildung und einer zweijährigen Berufserfahrung „eine berufspädagogische Zusatzqualifikation im Umfang von mindesten 200 Stunden“ aufweisen mussten (KrPflAPrV § 2 Abs. 2). Anmerkung: Die berufspädagogische Zusatzqualifikation wurde von den LehrerInnen der Pflegeschulen organisiert und durchgeführt, die, wie oben angemerkt, selbst keine abgeschlossene Hochschulausbildung, weder eine pädagogische noch eine wissenschaftliche hatten (Matthäus 15,14: „Lasset sie, sie sind blinde Führer von Blinden; wenn aber ein Blinder einen Blinden führt, so werden beide in eine Grube fallen.“).

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