Berufskunde

Timeline der staatlich geregelten Pflegeausbildung in Deutschland

Erste staatlich anerkannte Prüfungsverordnung von 1907

1907 wurden erstmals im damaligen Preußen „Vorschriften über die staatliche Prüfung von Krankenpflegepersonen“ erlassen. Die Ausbildungsdauer wurde auf ein Jahr festgelegt. Die Ausbildung wurde an staatlich anerkannten Ausbildungsstätten unter der Schulleitung eines Arztes durchgeführt. Die Ausbildung selbst war überwiegend praktisch ausgerichtet. Die Inhalte der theoretischen Ausbildung erstreckten sich vorwiegend auf Anatomie, Krankheitslehre, Krankenbeobachtung und Krankenwartung wie auch theoretische Hintergründe von medizinischen Assistenztätigkeiten. Die Prüfungen wurden von Ärzten, die von der Landesbehörde bestellt waren, abgenommen.

Gesetz zur Ordnung der Krankenpflege im Jahre 1938

Das „Gesetz zur Ordnung der Krankenpflege“ regelte die Krankenpflegeausbildung einheitlich für Deutschland. Der Reichsminister des Inneren war ermächtigt, Regelungen bezüglich der Ausbildung, den Ausbildungsstätten, der Berufsbezeichnung usw. zu erlassen. Vorwiegend bleib es bei den Bestimmungen aus dem Jahre 1907. Dabei war das Gesetz geprägt von der Rassenideologie des Nationalsozialismus, die auch die inhaltlichen Schwerpunkte der Ausbildung bestimmte. BerufsanwärterInnen mussten die „politische Zuverlässigkeit“ von einem NSDAP-Organ bestätigen lassen und einen Nachweis der arischen Abstammung erbringen. Die Ausbildungsdauer wurde auf eineinhalb Jahren verlängert. Der theoretische Unterricht hatte einen Umfang von 200 Stunden, von denen mindestens 100 Stunden Arztunterricht zu sein hatten.

Regelung der Pflegeausbildung von 1945 bis 1957

In der BRD wurde an das Krankenpflegegesetz von 1938 weitgehend festgehalten mit einer zweijährigen Ausbildung und von nun an 200 Theoriestunden, die nach der praktischen Tätigkeit zu erbringen waren. Parallel zur weltlichen Berufsausbildung kam es zur Reorganisation der konfessionellen Pflege.

Mit dem Gesetz der Sowjetunion für die Besatzungszone vom Juli 1946 wurde für die DDR eine Verordnung über die berufsmäßige Ausübung der Krankenpflege gemeinsam mit einer Prüfungsverordnung für die Krankenpflege erlassen. Im Rahmen des beginnenden Ausbaues des Fachschulwesens in der DDR wurden in einer zweijährigen Ausbildung mittlere medizinische Fachkräfte ausgebildet.

Krankenpflegegesetz von 1957 in der BRD

1957 wurde das „Gesetz über die Ausübung der Kranken- und Kinderkrankenpflege“ beschlossen. Die Dauer der Ausbildung umfasste nun drei Jahre, die aufgeteilt wurden in zwei Jahre Lehrgang und ein praktisches Anerkennungsjahr. Der Umfang des theoretischen Unterrichts wurde auf 400 Stunden angehoben und umfasste acht Lehrfächer. Die Prüfung erfolgte nach Ende des zweijährigen Lehrgangs und bestand aus einer theoretischen und praktischen Prüfung. Die Prüfungskommission setzte sich aus dem Prüfungsvorsitzenden, einem Medizinalbeamten, zwei Ärzten und einer Unterrichtsschwester aus der Krankenpflegeschule wie auch der Oberin zusammen.

Neuordnung der Pflegeausbildung von 1961 in der DDR

Mit dem 01.09.1961 wurde die Krankenpflegeausbildung in der DDR in das Berufsbildungssystem eingegliedert: An den Betriebsfachschulen dauerte die Ausbildung von nun an drei Jahre. Die praktische Ausbildung war angebunden an ein Krankenhaus bzw. einer Gesundheitseinrichtung. Verantwortlich für die Ausbildung war die jeweilige ärztliche Direktion. Von der sozialistischen Krankenpflege wurde ein kollektives Denken und Handeln im Sinne des Kommunismus erwartet und verlangt.

1973 wurde die an den Betriebsfachschulen absolvierte Pflegeausbildung wieder an die Fachschulen zurückverlegt.

Krankenpflegegesetz von 1965 in der BRD

Mit dem Krankenpflegegesetz von 1965 wurden die Ausbildungen der Kranken- und Kinderkrankenpflege sowie der Krankenpflegehilfe für die gesamte BRD neu geregelt. Die Ausbildung der Kranken- und Kinderkrankenpflege wurde auf drei Jahre, davon mindestens 1200 Theoriestunden festgelegt. Die Ausbildung zur Krankenpflegehilfe sollte ein Jahr, davon mindestens 250 Theoriestunden umfassen. Erstmals wurden die jeweiligen Berufsbezeichnungen staatlich geschützt.

Am 2. August 1966 wurden dann die entsprechenden Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen erlassen und in Kraft gesetzt. Hierin waren die Inhalte der theoretischen und praktischen Ausbildung sowie die Prüfung geregelt. Die Prüfung der Krankenpflege- und Kinderkrankenpflegeausbildung umfasste einen schriftlichen und einen mündlichen Teil, der wiederum einen theoretischen sowie einen praktischen Anteil aufzuweisen hatte.

Von Seiten kirchlicher Vertreter, aber auch seitens der Pflegeberufsverbände wurde eine Eingliederung der Pflegeausbildung in das duale Berufsbildungssystem – eine Forderung der Gewerkschaft – abgelehnt.

Krankenpflegegesetz von 1985 in der BRD

20 Jahre später wurde in der BRD das Krankenpflegegesetz von 1965 mit dem „Gesetz über die Berufe der Krankenpflege (KrPflG)“ novelliert. Das Gesetz regelt, wie schon zuvor, die Ausbildungen der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Krankenpflegehilfe. Als Ausbildungsziel der Kranken- und Kinderkrankenpflege wurde der Erwerb der „Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur verantwortlichen Mitwirkung bei der Verhütung, Erkennung und Heilung von Krankheiten“ (§ 4) formuliert. Die Berufsbezeichnung für die weiblichen Pflegekräfte war weiterhin „Kranken- bzw. Kinderkrankenschwester“.

Gemäß der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung waren die dreijährigen Ausbildungen der Kranken- und Kinderkrankenpflege mit 3000 Praxisstunden weiterhin überwiegend praktisch orientiert. Die Theoriestunden wurden um 400 Stunden von 1200 auf 1600 angehoben. Die Ausbildung zur Krankenpflegehilfe umfasste künftig 500 Theoriestunden und 1100 Praxisstunden. Die Struktur der staatlichen Prüfungen in einen schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil für die Kranken- und Kinderkrankenpflege bzw. einen mündlichen und praktischen Teil für die Krankenpflegehilfe wurde festgelegt. Ebenso wurden die Ausbildungsinhalte in der Theorie und Praxis thematisch mit einem entsprechenden Stundenumfang aufgelistet. Für die zu „vermittelnden“ Inhalte der Krankenpflege waren im Rahmen der Kranken- und Kinderkrankenpflegeausbildung lediglich 480 von den insgesamt 1600 Theoriestunden vorgesehen (das ist ein Anteil von 30 % der Gesamttheoriestunden), was nicht zuletzt die großen inhaltlichen wie strukturellen Schwächen der Krankenpflegeausbildung von 1985 markiert.

Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege im Jahre 2003

Es brauchte weitere 18 Jahre bis das Krankenpflegegesetz vom 16. Juli 2003, das zum 01.01.2004 in Kraft trat, das Gesetz von 1985 ablösen sollte. Nachfolgend werden die wesentlichen Neuerungen der Pflegeausbildung aufgeführt:

  • Die Berufsbezeichnung wurde geändert auf Gesundheits- und KrankenpflegerIn, Gesundheits- und KinderkrankenpflegerIn. Damit wurde die bis dato ausschließlich den weiblichen Pflegekräften staatlicherseits auferlegte konfessionell geprägte Berufsbezeichnung „Schwester“ – wenn auch nicht faktisch, so doch formal – endlich und längst überfällig zum Wurmfortsatz der Pflegegeschichte.
  • Der Aspekt der Gesundheitspflege eröffnete für die Pflege wie für die Ausbildung der Pflege neue Handlungsfelder, die im Ausbildungsziel verbindlich festgeschrieben wurden.
  • Die Ausbildung in der Praxis wurde von 3000 auf 2500 Stunden verringert, während die theoretische Ausbildung von 1600 auf nun 2100 Stunden erhöht wurde.
  • Neben Einsätzen in der stationären Akutversorgung sieht die praktische Pflegeausbildung verbindliche Einsätze in Einrichtungen der ambulanten Versorgung von mindestens 500 Stunden vor.
  • Die Möglichkeit einer integrativen Ausbildung von Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege war mit entsprechenden Differenzierungsphasen möglich.
  • Parallel zu der von der KMK festgelegten Kompetenzentwicklung als Ziel der dualen Berufsausbildung wurde nun auch als Ausbildungsziel der Pflegeberufe die Förderung der fachlichen, personalen, sozialen und methodischen Kompetenzen festgelegt.
  • Dies sollte erfolgen „entsprechend dem allgemein anerkannten Stand pflegewissenschaftlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse“ (§ 3). So wurde festgelegt, dass die künftige Leitung einer Schule eine abgeschlossene Hochschulausbildung sowie die Lehrer „im Verhältnis zur Zahl der Ausbildungsplätze“ ebenfalls eine abgeschlossene Hochschulausbildung nachweisen müssen. Anmerkung: Was eigentlich muss den Gesetzgebern sowie den die Politik beratenden Pflegeexperten und -expertinnen damals ins Gehirn geschossen sein, die pflegeberufliche Ausbildung zu „verwissenschaftlichen“, ohne auch nur im Entferntesten die Voraussetzungen dafür geschaffen zu haben bzw. geschaffen haben zu wollen: Denn erstens war die Ausbildung gar nicht als eine Hochschulausbildung konzipiert; sie sollte weiterhin an den Pflegeschulen als eine berufliche Ausbildung stattfinden. Zweitens hatten die an den Pflegeschulen bis dato tätigen Lehrer selbst keine abgeschlossene Hochschulausbildung; sie waren, wenn überhaupt, Lehrer für Pflegeberufe. Und schließlich drittens war für die mit dem Gesetz für die praktische Ausbildung neu eingeführten Praxisanleiter, die von nun an für die praktische Ausbildung zuständig sein sollten, weder ein pädagogisches noch ein wissenschaftliches Studium angedacht (und das bis heute nicht). Wie aber sollen wissenschaftliche Erkenntnisse „vermittelt“ werden, ohne selbst im Rahmen eines Hochschulstudiums zu lernen bzw. gelernt zu haben, wissenschaftliche Studien zu lesen, zu verstehen, zu deuten, kritisch zu hinterfragen und eigenständig zu überprüfen? Eine Qualitätssicherung der Pflegeausbildung konnte somit vom Ansatz her gar nicht mehr gegeben sein. Und die Mündigkeit der Pflege und Pflegenden war wieder einmal in Frage gestellt.
  • Von nun an wurden für die klinische Ausbildung PraxisanleiterInnen bestimmt, die neben einer abgeschlossenen Pflegeausbildung und einer zweijährigen Berufserfahrung „eine berufspädagogische Zusatzqualifikation im Umfang von mindesten 200 Stunden“ aufweisen mussten (KrPflAPrV § 2 Abs. 2). Anmerkung: Die berufspädagogische Zusatzqualifikation wurde von den LehrerInnen der Pflegeschulen organisiert und durchgeführt, die, wie oben angemerkt, selbst keine abgeschlossene Hochschulausbildung, weder eine pädagogische noch eine wissenschaftliche hatten (Matthäus 15,14: „Lasset sie, sie sind blinde Führer von Blinden; wenn aber ein Blinder einen Blinden führt, so werden beide in eine Grube fallen.“).

Generalistische Pflegeausbildung 2020

 

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